Die besten Impro Musik Games, die Du noch nicht kanntest

woman singing on stage

Im Zuge des Impro Hotel Wellness im letzten November habe ich einen Workshop gegeben, in dem wir die besten und eventuell noch völlig unbekannte Musikgames kennengelernt und ausprobiert haben. Ein paar der (zumindest den meisten Improspieler:innen) unbekannten Spiele möchte ich hier kurz vorstellen. Dazu werde ich ergänzend in der nächsten Zeit noch einen Podcast aufnehmen, in dem ich auch musikalische Beispiele geben werde. Alle bisherigen Podcast Folgen zu Musik im Improtheater findest Du hier oder auf allen gängigen Streaming Plattformen, wie zum Beispiel Spotify.

Warm Up

Vor einer Show oder im Impro Training wärmen sich Spieler:innen gern auch musikalisch auf. Das kannst Du mit klassischen Aufwärm- und Einsingübungen machen, in den Körper, den Atem und in die Stimme kommen. Oder Du probierst es einmal mit einem Spiel bzw. einer etwas anderen Übung. Ein:e Musiker:in dabei zu haben, ist hierbei allerdings von Vorteil.

Acht musikalische Dinge

pexels-photo-1061135.jpeg
Photo by Miguel Á. Padriñán on Pexels.com

Viele kennen das Warm Up „Das sind die drei Dinge“, in dem eine Überschrift gerufen wird und man entweder etwas persönliches von sich spontan preis gibt oder man frei assoziiert. Die Gruppe wieder holt dann im Chor „Das sind die drei Dinge!“. Bei der musikalischen Übung „Acht musikalische Dinge“ wird quasi ein Gruppensong gesungen zu einem Oberthema, z.B. Weltall. Die Musik bietet eine Schleife an, die aus ein paar Harmonien besteht.

Der erste Sänger sing eine Zeile mit einem Aspekt bzw. Assoziation zum Thema.

Beispiel: „Der Mond ist uns so fern und doch so nah.“

Die zweite Sängerin besingt nun zwei Aspekte zum Thema.

Beispiel: „Ich kreise um dich, wie ein Planet. Du bist mein hellster Stern.“

Der dritte Sänger bringt nun drei Assoziationen in seinen Zeilen unter.

Beispiel: „Ich flieg mit dir vom Mars zur Venus. Sind schneller als das Licht. Entdecken fremde Welten.“

Dies wird so fortgeführt bis die achte Sängerin acht Aspekte in ihren Zeilen besungen hat.

Um es mehr wie einen Gruppensong zu gestalten, kann auch nach zwei Strophen ein gemeinsamer Refrain etabliert werden, der dann immer nach zwei Strophen von der gesamten Gruppe wiederholt wird.

Als Variante kann man die Übung auch als „Ich packe meinen Koffer“ singen. Dabei muss man die Zeilen, die man vorher gehört hat, zunächst wiederholen bis man seine eigene ergänzt. Dies könnte man auch als Spiel in einer Show aufführen. EIne schöne Herausforderung, nicht!?

What’s going on

man playing guitar

Auch als Warm Up kann man den durch die 4 Non Blondes in den 1990er Jahren bekannt gewordenen Song „What’s up?“ nutzen. Zumindest einen Teil des Songs. Die Sängerin improvisiert auf die Akkorde des Songs zwei Zeilen. Dabei kann die bekannte Melodie des Liedes genutzt werden. Die gesamte Gruppe schließt direkt mit der Originalzeile „I said hey – What’s going on!?“ ab. Danach ist der nächste dran mit seinen zwei Zeilen und die Gruppe singt wieder gemeinsam am Ende die Originalzeile des Songs. Die bekannten Akkorde und die Struktur geben Sänger:innen Sicherheit, so dass sie sich auf Aspekte, wie Reimen, Story oder das richtige Intonieren konzentrieren können. Auch können Popphrasen, wie „Yeah Yeah Yeah“, „Baby, Baby“, „I love you so.“ helfen, sich nicht zu sehr auf den Text, sondern mehr auf das Singen konzentrieren zu können.

Original Musikvideo von den 4 Non Blondes

Instrumentalversion von „What’s Up“

Singen ohne Begleitung? Kein Problem!

a woman singing on stage

Auch die Karaoke Version nutzen. Dies gilt nicht nur für diesen Song. Generell eigenen sich Karaoke Versionen super zum Üben, wenn niemand die Musik liefert. Am besten wählst du dir Songs, die du nicht kennst und improvisierst dann auf die Instrumentalversion. Wenn dir YouTube nicht reicht und du sowieso gern Karaoke singst, empfehle ich dir ein Abo bei Karafun. Es gibt hier sogar eine richtige Software, wo du das ganze Karaoke Bar Feeling bekommst. Je mehr du singst, desto mehr trainierst du Gehör und Stimme. Außerdem macht es einfach Spaß. Ich singe manchmal stundenlang meine liebsten Songs zu Hause und mache meine eigene Karaoke Party. Was für ein Spaß!


Musik Games

Video killed the Radiostar

three men near white sedan on shore

Auf der Bühne entsteht vor den Augen des Publikums ein Musikvideo. Die Spieler:innen sind aufgerufen, nicht nur einen Song zu singen, sondern auch das entsprechende, in bester MTV Manier produzierte Video dazu zu performen. Und was gehört alles zu einem Musikvideo? Das kann eine ganze Story sein, abstrakte Passagen, Tanzfiguren, Slow Motion, Standbilder – sprich alles, was der Gruppe spontan einfällt. Hierbei ist es wichtig, gut aufeinander zu achten. Impulse zu geben und aufzunehmen und gemeinsam „Ja und…“ zu sagen. Also benötigt man alle guten Improtugenden für diese Gruppenimprovisation. Die Sängerin oder die Sänger können entweder selbst live den Song improvisieren oder man macht daraus sogar noch ein Playback. Dabei steht der Sänger am Rand der Bühne mit dem Mikro außerhalb des Bühnenfokus‘. Sein Gesang wird Lippen synchronisiert auf der Bühne während das Musikvideo improvisiert wird. Damit hätten man sogar auch noch ein Synchrospiel eingebaut. Eine ganz schöne Herausforderung, die vor allem mit vielen Spieler:innen Spaß macht. Wichtig ist vor allem, dass viel geschnitten wird und so viele verschiedene Szenen entstehen können.

Pro-Contra-Song

person with letters on his palms

Wie der Name schon verrät, geht es hierbei um eine Seite, die für etwas und eine Seite, die gegen etwas Position bezieht. Nur wird dies in einem Song ausgefochten. Dabei werden die Strophen ganz gütig aufgeteilt. Die Pro-Seite bekommt Solo-Strophen und die Contra-Seite die ihrigen. Beim Refrain wird es für viele Improsänger:innen ungewohnt. Der Chorus wird nämlich gleichzeit ohne Absprache von Text oder Melodie gesungen. Jede:r Sänger:in sing ihre eigene Refrain-Zeile, die ihre Aussage untersützt. Die Melodie dürfen und werden zwangsläufig unterschiedlich sein. Da es jedoch das harmonische Grundgerüst durch die Musikerin gibt, kann nichts schief laufen. Im Gegenteil. Es entstehen mitunter sogar schöne Mehrstimmigkeiten. Der Text darf und wird sich dabei ebenfalls überlagern. Das mag sich irritierend anfühlen. Für das Publikum allerdings, ist dies kein Problem. Es hört mal zur Pro-Seite, mal zur Contra-Seite. Der Refrain wird ja sowieso wiederholt. Außerdem kann man natürlich auch in der Lautstärke Rücksicht nehmen, so dass der Duett Partner nicht akustisch untergeht. Ob er allerdings die besseren Argumente zum Thema hervorbringen kann, bleibt offen. Das kann ja das Publikum entscheiden.

Anschauen bei Musik

young lady covering eyes with hands

Dies ist ein szenisches Spiel. Es wird nicht gesungen. Der Fokus liegt quasi auf den „Zwangspausen“, die einen tollen Effekt in der Szene erzielen.

Die Herausforderung in der Variante A: Die Spieler:innen spielen eine Szene zusammen. Sie müssen sich anschauen, wenn Musik erklingt. Und das so lang Musik erklingt. Sonst dürfen sie keinen Augenkontakt haben. Geredet werden darf immer. Der Augenkontakt sollte kein Stopp der Szene bedeuten.

In Variante B kommt hinzu, dass die Spieler:innen sich bei Musik anschauen müssen, aber nicht mehr sprechen dürfen. Die Szene geht jedoch weiter!

Klingt schwieriger als es ist. Vor allem, wenn man es dem Publikum erklärt. Am besten ihr spielt es einfach. Viel Spaß beim „heiter Scheitern“!

Splitt-Screen-Song

grayscale photo of a man and a woman posing side by side

Ein Splitt-Screen ist ein beliebtes Mittel im Film. Zwei Personen sind zur gleichen Zeit in zwei unterschiedlichen Räumen. Der Bildschirm wird also geteilt und die Zuschauer sehen beide Schauspieler:innen. Natürlich haben diese eine Verbindung in der Story. Kontraste und Gemeinsamkeiten wirken hier besonders gut. Und man kann beides von außen im Blick behalten.

Bei einem Splitt-Screen-Song wird ein gemeinsamer Song gesungen, ohne dass die Sänger:innen mit einander in einem Raum agieren. Beliebt ist hier eine typische Liebesszene, in der sich zwei Menschen vermissen und darüber sprechen bzw. in unserem Fall singen. Das klassische Liebesduett hat hier den idealen Platz. Dabei bespielen die Spieler:innen den Raum, in dem sie sich befinden, singen jedoch gemeinsam den Song. Die Musik verbindet also quasi beide. Die Strophen können hier abwechselnd gesungen werden. Und wie beim Pro-Contra-Song, darf der Refrain auch gern gleichzeitig improvisiert werden mit eigenem Text und Melodielinien der Sänger:innen. Idealerweise ergibt sich eine gemeinsame Zeile, die zusammen gefeiert werden kann.

Bei Duetten allgemein kann man sich vorher auch die Frage nach der Art des Zweiergesangs stellen: Geht es um Liebe, Freundschaft oder Feindschaft? Dies sind die typischen Couple-Songs, z.B. auch in Musicals oder Disney-Filmen.

Take Five

close up photo of people doing high five

Ein etwas bekannteres Musik Game ist „Take Five“. Hier werden Spieler:innen in die schalldichte Kabine oder vor die Tür geschickt, bevor man aus dem Publikum fünf reale Gegenstände einsammelt. Die erste Spieler:in hat nun die Aufgabe, die Gegenstände spontan in eine Geschichte einzubauen. Sie hat sie vorher nicht gesehen. Das ist wichtig. Entweder führt man den Spieler mit verbunden oder geschlossenen Augen an den hinter einander liegenden Gegenständen vorbei bis zum Bühnenrand und lässt ihn selbst bestimmen, wann er nach unten greift und die Dinge in die Story einbaut. Oder man reicht die Gegenstände an und drückt sie der Spielerin in die Hand. Der zweite Spieler darf ein Gedicht mit den selben Gegenständen (vielleicht in anderer Reihenfolge?) zum Besten geben. Die dritte Spielerin singt schließlich ein Lied, in das die Dinge schnell und spontan eingebaut werden müssen. Als besondere Herausforderung kann man auch vorher vom Publikum einen Titel abfragen, der bei allen drei Improspieler:innen gleich ist. Auch kann man nur den Song, nur die Story oder nur das Gedicht auf die Bühne bringen. Aber da es um Musik-Games geht…

Ein Tipp von mir: nehmt die Gegenstände nicht immer eins zu eins. Du darfst dich auch einfach inspirieren lassen von Form, Farbe, Geruch oder dem, was man mit dem Gegenstand normalerweise tut. Oder ihr transformiert einfach, wie ihr es aus der bekannten Assoziations-Übung kennt. So kann aus der Bananane auch ein Telefon werden.

Übung macht den Meister

Diese und viele Musik Games mehr habe ich beim Improhotel Wellness 2021 mit den Teilnehmer:innen trainiert. Wenn Du selbst Lust hast, dich und deine Gruppe beim Improsingen zu verbessern, neue Übungen kennenlernen oder Musikformate wie Impro Musical oder Impro Oper lernen möchtest, komme ich gern zu euch für einen Workshop. Auf meiner Workshopseite www.improworkshop.com findest du meine Angebote und kannst mich kontaktieren. Ich würde mich freuen, dich singen zu hören!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.