Einfach mal die Klappe halten

francisco_de_goya_y_lucientes_-_duelo_a_garrotazos

Francisco de Goya: Duell mit Knüppeln | Quelle: wikimedia.org

Schon oft ist mir aufgefallen, dass Improspieler dazu neigen, auch bei großer Körperlichkeit, wie z.B. Verfolgungsjagden auf der Bühne, immer noch darüber weiterzusprechen oder zu kommentieren. Also so etwas, wie “Ich krieg’ dich. Du entkommst mir nicht.”. Das ist an sich nicht falsch, leider nimmt es aber oft die Energie aus der Sequenz. Körperlichkeit ist ja generell gut und gewünscht, wo doch die Talking Heads oft die Regel sind auf der Bühne. Als Musiker sind das für mich Momente, wo die Musik diesen Energieschub unterstützen kann. In der Musik gibt es zwei entscheidende Mittel dafür: Lautstärke und Tempo. Beides kann zunehmen an so einer Stelle. Wenn dann jemand darüber schreit, will man natürlich verstehen, was gesagt wird. Also muss ich als Musiker die Musik wieder leiser machen. Es hätte ja was wichtiges sein können. Was passiert? Die Energie verpufft oder man hat das Gefühl, die Musik hat einen Fehler gemacht, weil sie “zu laut” ist. Man versteht ja den Spieler nicht. Das muss aber nicht unbedingt so sein. Denn eine non verbale körperliche Szene, die zusammen und mit der Musik erzählt wird, ist oft genau der Rhythmuswechsel in der Langform, der gebraucht wird, bei all dem Gequatsche. Das Zauberwort heißt also hier “Fokuswechsel” und “Fokusverlagerung”. Der Fokus ist dann ganz klar auf der Körperlichkeit und der Musik. Körper und Klang erzählen die Geschichte. In diesem Moment, vielleicht der Dramatik, bietet es sich total an, das Thema, das eine Figur musikalisch hat, eindeutig zu spielen und zu zeigen. Da muss man dann auch nicht mehr drüber brüllen, weil die Infos meist eh nicht wichtig sind. Kurz: Bei solchen Sequenzen einfach mal die Klappe halten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*
Website